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15.10.2026

Deutscher Ingenieurbaupreis 2026: Auszeichnung für Magdeburger Hyparschale

Sanierung mit Carbonbeton macht denkmalgeschütztes Bauwerk zukunftsfähig | Chemnitzer Viadukt erhält den Staatspreis

Die Magdeburger Hyparschale gehört zu den fünf ausgezeichneten Projekten des Deutschen Ingenieurbaupreises 2026. Die Jury würdigt damit die technisch anspruchsvolle Sanierung des denkmalgeschützten Bauwerks, das durch den innovativen Einsatz von Carbonbeton erhalten und für eine neue Nutzung weiterentwickelt werden konnte.

Der Staatspreis der Bundesrepublik Deutschland ging an das Chemnitzer Viadukt. Die Preisverleihung fand am 14. Oktober 2026 in der Akademie der Künste in Berlin statt.

© Bildnachweis: © BBR / Fotos: Thomas Köhler/photothek.de



Mit dem Deutschen Ingenieurbaupreis zeichnen das Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen und die Bundesingenieurkammer herausragende Ingenieurleistungen aus. Im Mittelpunkt stehen Projekte, die technische Qualität, Innovation, Gestaltung und Nachhaltigkeit verbinden.

Die diesjährigen Auszeichnungen zeigen, welche Bedeutung der Erhalt bestehender Bausubstanz und die Entwicklung zukunftsfähiger Lösungen für das Ingenieurwesen haben.

Hyparschale Magdeburg: Ein Denkmal der Moderne wird zukunftsfähig
Die Hyparschale in Magdeburg ist ein herausragendes Beispiel für die Verbindung von Ingenieurbaukunst, Denkmalschutz und innovativer Sanierungstechnik. Entworfen vom Bauingenieur Ulrich Müther, überspannt das Bauwerk mit vier nur sieben Zentimeter dünnen Stahlbetonschalen einen stützenfreien Innenraum von 48 mal 48 Metern. Die hyperbolischen Paraboloidschalen verleihen der Konstruktion ihre charakteristische Form und machen die Hyparschale zu einer Ikone der modernen Ingenieurbaukunst.

© Bildnachweis: © BBR / Fotos: Thomas Köhler/photothek.de



Ursprünglich als Messe- und Ausstellungszentrum genutzt, geriet das Gebäude nach der Wiedervereinigung zunehmend in einen schlechten baulichen Zustand. Aufgrund gravierender Schäden wurde es 1997 als baufällig eingestuft und gesperrt. Zwischenzeitlich stand sogar ein Abriss zur Diskussion. Dass das Bauwerk erhalten blieb, ist auch dem Engagement einer überparteilichen Initiative aus der Magdeburger Bürgerschaft zu verdanken.

Die anschließende Sanierung stellte hohe Anforderungen an die Tragwerksplanung. Die außergewöhnlich dünnen Schalen mussten ertüchtigt werden, ohne ihre statischen Eigenschaften durch zusätzliches Eigengewicht wesentlich zu verändern. Eine zentrale Rolle spielte dabei der Einsatz von Carbonbeton. Nach der Entfernung geschädigter Betonoberflächen und der Verpressung vorhandener Risse wurde auf Ober- und Unterseiten der Schalen jeweils eine etwa einen Zentimeter dicke Schicht aus carbonbewehrtem Feinbeton aufgebracht.

Die geringe Schichtdicke ermöglichte eine Verstärkung der bestehenden Konstruktion, ohne sie in vergleichbarem Maße zusätzlich zu belasten, wie es bei konventionellen Verstärkungsmethoden der Fall sein könnte. Damit wurde eine entscheidende Voraussetzung geschaffen, um die historische Tragstruktur zu erhalten und ihre weitere Nutzung zu ermöglichen.

Auch architektonisch wurde das Bauwerk weiterentwickelt. Die Lichtbänder zwischen den Innenkanten der vier Schalen wurden geöffnet, sodass die ursprünglich vorgesehene zusätzliche Belichtung von oben dauerhaft umgesetzt werden konnte. Gemeinsam mit einem zeitgemäßen Nutzungskonzept entstand ein multifunktionaler Innenraum, der die architektonische Idee Müthers bewahrt und zugleich neue Nutzungsmöglichkeiten eröffnet.

Die Jury würdigt die Hyparschale damit als beispielhaftes Projekt des Weiterbauens im Bestand. Die Sanierung zeigt, wie innovative Materialien und präzise ingenieurtechnische Lösungen dazu beitragen können, bedeutende Bauwerke zu bewahren und an heutige Anforderungen anzupassen.

An der Umsetzung waren unterschiedliche Fachdisziplinen beteiligt. Die Ingenieurleistungen im Bereich der Carbonbetonsanierung erbrachte die CARBOCON GmbH aus Dresden. Bauherr war der Eigenbetrieb Kommunales Gebäudemanagement der Landeshauptstadt Magdeburg. Weitere Beteiligte waren gmp · Architekten von Gerkan, Marg und Partner für die Architektur, Prof. Rühle, Jentzsch und Partner für die Tragwerksplanung, das Ingenieurbüro Trabert + Partner für die Prüfstatik sowie Züblin Bauwerkserhaltung als ausführendes Bauunternehmen.

Chemnitzer Viadukt erhält den Staatspreis
Der Deutsche Ingenieurbaupreis 2026, der Staatspreis der Bundesrepublik Deutschland für herausragende Ingenieurbaukunst, ging an das Chemnitzer Viadukt. Ausgezeichnet wurden das Ingenieurbüro KREBS+KIEFER Ingenieure GmbH und die DB InfraGO AG als Bauherrin.

Die Jury überzeugte insbesondere der konsequente Ansatz, das denkmalgeschützte Eisenbahnviadukt durch gezielte Ertüchtigungsmaßnahmen und den Ersatz einzelner Bauteile zu erhalten und zugleich an heutige und künftige Anforderungen des Bahnverkehrs anzupassen. Das Projekt steht damit beispielhaft für die Verbindung von Denkmalschutz, moderner Infrastruktur und ressourcenschonendem Bauen.

Der mit 10.000 Euro dotierte Nachwuchspreis ging an das Ingenieurbüro str.ucture GmbH für das Museum Historische Oberamteistraße in Reutlingen. Das Projekt verbindet anspruchsvolle Tragwerksplanung mit dem Einsatz heimischer Weißtanne und dem sensiblen Umgang mit historischer Bausubstanz.

Neben der Hyparschale wurden auch der Bauhaus-Archiv Tower in Berlin, die Brücke „Sprung über die Emscher – Silver Arrow“ in Castrop-Rauxel, die Brücke über den Seeblickweg in Stuttgart und die Nibelungenbrücke in Worms ausgezeichnet.


Impulse für das Ingenieurwesen
Die ausgezeichneten Projekte machen deutlich, wie vielfältig die Aufgaben des modernen Ingenieurbaus sind. Sie reichen von der Erhaltung historischer Bauwerke über die Entwicklung innovativer Tragkonstruktionen bis zur Erneuerung der Verkehrsinfrastruktur. Gemeinsam ist ihnen der Anspruch, technische Leistungsfähigkeit mit gestalterischer Qualität und einem verantwortungsvollen Umgang mit Ressourcen zu verbinden.

Für Magdeburg ist die Auszeichnung der Hyparschale eine besondere Anerkennung. Sie rückt ein bedeutendes Bauwerk der Stadt und die Ingenieurleistungen hinter seiner Sanierung in den bundesweiten Fokus. Zugleich zeigt das Projekt, dass der Erhalt historischer Ingenieurbauwerke nicht im Widerspruch zu Innovation stehen muss.

Im Gegenteil: Gerade die Auseinandersetzung mit dem Bestand kann neue technische Lösungen hervorbringen und wichtige Impulse für das nachhaltige Bauen geben.


Weitere Informationen zum Deutschen Ingenieurbaupreis 2026


Quelle: Bundesingenieurkammer (BIngK)